Der Elefant im Wohnzimmer

Vermutlich kennen Sie diesen Spruch vom Elefanten im Wohnzimmer, dem so offensichtlich wichtigsten Thema, doch alle Anwesenden reden belangloses Zeug, ohne unseren dickhäutigen Freund auch nur zu erwähnen – als ob eben jener Elefant die normalste Sache der Welt wäre.

Nun – was könnte das mit unserem Klima und dem CO2 zu tun haben?

Sehr viel, wenn man einer unlängst bei Netflix veröffentlichen Dokumentation glauben darf, die sich intensiv mit unseren Ozeanen und der dort stattfindenden Überfischung auseinandersetzt. Mindestens in diesem Fall liegt der WWF absolut richtig, diesen Film zu empfehlen, wenn auch nur die Hälfte davon zutreffend wäre:

Zumindest habe ich die Szenen zum Fang von Delphinen in Japan auch schon an anderer Stelle gesehen, was die Sache aber nicht besser macht. Die nackten Zahlen sind 700 Millionen Menschen – also ungefähr zehn Prozent der Weltbevölkerung, welche direkt oder indirekt vom Fischfang leben, einer Industrie von mittlerweile sagenhaften 130 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr. Nun ist diese Größenordnung eventuell überraschend, aber nachdem wir ja das Problem der Überfischung bereits erkannt haben und Gegenmaßnahmen getroffen sind, sollte das eigentlich kein ernsthaftes Thema mehr sein – oder etwa doch?

Ohne dem Film komplett vorgreifen zu wollen, ist die tatsächliche Sachlage die, dass jegliche Beschränkungen nicht greifen. Eingeführte Qualitätssiegel zum Nachweis nachhaltigen Fischfangs werden einfach gekauft, die ausstellenden Organisationen werden gleich direkt durch die Fischereiindustrie gegründet und finanziert, und übereifrige Inspektoren gehen einfach über Bord oder werden an Land von einem Killerkommando beseitigt. All dies ermöglicht es den Fangflotten einfach zu tun und zu lassen, was ihnen lieb ist, nämlich die Ozeane für ein paar Dollar mehr mit Hightech abzusuchen und zu überfischen. Dabei wird auch nicht davor zurückgeschreckt, die Küsten armer afrikanischer Staaten zu plündern und deren Bevölkerung so bewusst ins Elend zu stürzen – Somalia ist da ein super Beispiel, viele der dortigen Piraten sind früher Fischer gewesen.

Unser Klima ist hier direkt betroffen, besonders aber erneut das Thema CO2, zu welchem ich ja schon mehrfach darauf hingewiesen habe, dass die ozeanische Fauna ganz erheblich zum Abbau von CO2 beiträgt. Was auch ich nicht wusste ist, dass auch die ozeanische Pflanzenwelt hier einen Beitrag leistet, der weit über die Kapazitäten unserer tropischen Regenwälder hinausgeht. Nur ein Prozent dieser Pflanzenwelt absorbiert die CO2 Emissionen von 97 Millionen PKW – so die Hochrechnung, welche im Film präsentiert wird. Darüber hinaus entsteht hier auch mehr als die Hälfte des für unser Leben so wichtigen Sauerstoffs. Doch die Lebensgrundlage der Pflanzen sind die Ausscheidungen der Fische und hinzukommt, dass jährlich tausende Quadratkilometer dieser Unterwasserwelt durch riesige Schleppnetze einfach ausradiert wird. Auch die Korallenriffe sind auf exakt die gleiche Weise betroffen, es handelt sich um ein symbiotisches Biotop, welches ohne seine Bewohner, die Fische, nicht existieren kann. Aktuelle Hochrechnungen sagen, dass ohne sofortiges konsequentes Eingreifen unsere Ozeane im Jahr 2048 irreparabel überfischt sein werden – ein Szenario, welches deutlich realer ist, als wegen der paar PPM CO2 in der Atmosphäre gedünstet zu werden.

Wenn also CO2 tatsächlich so fürchterlich wäre, wieso wird dann dieser Elefant namens Fischereiindustrie nicht benannt und in Verantwortung genommen? Länder wie Japan leben traditionell vom Fischfang, die paar Quadratkilometer landwirtschaftliche Nutzfläche dieses bergigen Landes werden seit jeher für den Reisanbau benötigt. Viehzucht war hier nie ein wichtiges Thema – wie auch? Fakt ist jedoch, dass hier allein 2% der Weltbevölkerung 10% des weltweiten Fischfangs verzehren und die Regierung dieses Landes zum Beispiel den Walfang legitimiert, indem man vorgibt damit nur wissenschaftliche Zwecke zu verfolgen. Ein Japaner verzehrt also im Schnitt 5 mal mehr Fisch, als jeder andere Erdenbürger.

Wie man das Thema auch betrachtet, ohne Eingreifen wird damit die größte CO2 – Senke dieser Welt in ihrer Funktion nahezu zum Erliegen kommen, und die Folgen werden weit dramatischer sein als der Raubbau im Regenwald, oder die Ölsande im kanadischen Alberta.

Doch unsere Apostel des vom Menschen verursachten Klimawandels blenden das Thema des ozeanischen Ökosystems komplett aus. Lediglich physikalische und chemische Prozesse wurden andiskutiert und die unhaltbare These der Übersäuerung der Meere ins Rennen geschickt. Abseits davon diskutiert man Kippeffekte wie Albedo, Methan aus Permafrost und so weiter, um auch weiterhin Gläubige vor dem Klimaschrein zu versammeln.

Es ist mir nicht zu vermitteln, dass ich jährlich tausende Euro für Klimaschutzzwecke erübrigen soll, dass unser Land soeben plant, erneut jährlich 50 Milliarden Euro in dieses Fass ohne Boden zu stecken, während die Fischereiindustrie bildlich gesprochen gleich das ganze Fass zertrümmert.

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